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Gauting

Gegenwind aus dem Gautinger Süden

Als Konzentrationsflächen für die mögliche Errichtung von Groß-Windkraft­anlagen mit bis zu 210 Metern Höhe werden derzeit in Gauting und in anderen Gemeinden des Land­kreises Starnberg großräumig Landschafts­schutzgebiete für diese Zwecke freigegeben - darunter ist auch das besonders wertvolle „Würmtalschutzgebiet“ als beliebtes Naherholungsziel für die Gautinger Bürger. Dabei schießt die Gemeinde Gauting den Vogel ab: über 16% der gesamten Gemeindefläche sind für die mögliche Bebauung ausgewiesen. Große Flächen davon liegen in der Nähe von Buchendorf, Königswiesen und Hausen, aber auch Gauting-Nord (Kreuzlinger Forst) und Unterbrunn sind davon betroffen.

Initiiert von Friedrich Huber aus Königswiesen haben über 200 Bürger aus dem Süden Gautings in einer kurzfristig angesetzten Unterschriftenaktion während der Osterzeit zwei detaillierte Einsprüche unterstützt, die am 10. April der Gemeinde Gauting und dem Landratsamt Starnberg übergeben wurden.

Der erste Einspruch richtet sich gegen die „Ergänzung“ der heutigen Würmtalschutz­verordnung, mit dem Zusatz, dass auf den zwei innerhalb des Schutz­gebietes ausge­wiesenen Konzen­trationsflächen Windkraft­anlagen errichtet werden dürfen, was praktisch einer totalen Preisgabe des Landschafts­schutz­es gleichkommt. Nachdem sie für alle betroffenen Gautinger Schutzgebiete im Bauausschuss Ende März mit nur zwei Gegenstimmen freigegeben wurde, soll diese Ergänzung voraussichtlich am 23. April in einer öffent­lichen Sonder­sitzung des Kreistages auch für alle anderen durchgeplanten Landschaftsschutzgebiete im gesamten Landkreis verabschiedet werden.

Der zweite Einspruch richtet sich gegen die Aufstellung des „Sachlichen Teilflächennutzungsplans ‚Windkraft‘“ in dem konkret die exakte Lage der Konzentrationsflächen festgeschrieben wird. Die Verabschiedung dieser Pläne durch die Gemeinde Gauting wird ebenfalls in Kürze erwartet. Übrigens: die Planungsdokumente sind im Internet der Gemeinde Gauting hinterlegt – viel Glück bei der Suche, denn sie sind bis heute gut versteckt.
Es sind drei Punkte, die die Gautinger Bürger - vorwiegend aus Buchen­dorf, Königswiesen und Hausen - in ihren Eingaben kritisieren:
Erstens die völlig unzureichende Offenlegung der bereits seit Anfang 2011 laufenden Planungen sowie die fehlende Information und aktive Einbindung aller davon unmittelbar betroffenen Bürger. Eine umfassende Information und Diskussion in Gauting halten die Einreicher zur Herstellung der erforderlichen Bürgerbeteiligung für zwingend geboten, bevor weiter­gehende Beschlüsse auf Gemeinde- und Landkreisebene entschieden werden.
Zweitens die schonungslose Preisgabe wertvoller Landschaftsgebiete, die weitsichtige Kommunalpolitiker in den letzten 50 Jahren unter besonderen Schutz gestellt haben, damit auch kommende Generationen die natürliche Schönheit des Voralpenlandes unverbaut genießen können. Naherholung, Tourismus und die Immobilienwerte werden darunter zu leiden haben. Sie kritisieren auch die starre Anwendung von Abstandsregeln zwischen Wohngebieten und den Konzentrationsflächen, die auf Basis untauglicher Verwaltungsvorschriften festgelegt wurden. Dies gefährdet möglicherweise die Gesundheit der Bürger durch Geräuschimmissionen und legt die Gemeinden in ihrer baulichen Weiterentwicklung in ein enges Korsett.
Drittens die völlig über das Ziel hinausschießende Ausweisung von Flächen für die mögliche Bebauung mit Windkraftanlagen: im Vergleich zu den 2% der Landesfläche, die der Freistaat für erforderlich hält, weist der Landkreis Starnberg über 6% seiner Fläche und darin die Gemeinde Gauting mit 828 Hektar satte 16,4% der Gemeindefläche aus.
Das Ganze für den möglichen Bau von weithin sichtbaren industriellen Großanlagen, die das Landschaftsbild im 5-Seen-Land bei Tag und blinkend bei Nacht verändern werden und die sich angesichts des grenzwertig niedrigen Windaufkommens im Landkreisgebiet nur auf Basis der heutigen, zeitlich befristeten Subventionszahlungen wirtschaftlich rechnen.
„Wenn schon Landschafts-Opfer für den Ausbau der problembehaf­teten Windenergie in Bayern gebracht werden müssen, dann aber bitte nicht mehr, als der Freistaat für erforderlich hält – und das sind maximal 2% der Fläche!“ sagen die Gautinger Bürger.


Bernhard Fliedner | Bei uns veröffentlicht am 12.04.2012


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